Das Projekt „Digitaler Zwilling Haupthafenroute“ entwickelt sich kontinuierlich weiter. Im ersten Halbjahr 2026 konnten wichtige Fortschritte erzielt werden. Der Fokus lag auf der Weiterentwicklung der Softwarelösungen, der Initialisierung digitaler Bauwerkszwillinge sowie der Ausbau von Schnittstellen zur Integration und Vernetzung verschiedener Datenquellen. Die folgende Halbjahresbilanz gibt einen Überblick über die wichtigsten Meilensteine der vergangenen sechs Monate.
Softwarelösung Digitale Bauwerkszwillinge: Plattform erreicht fortgeschrittenen Entwicklungsstand
Die zentrale Softwarelösung des Projekts hat im ersten Halbjahr einen wichtigen Reifegrad erreicht.
Sowohl Front- als auch Backend wurden umfassend weiterentwickelt. Besonderes Augenmerk lag auf der Benutzerfreundlichkeit, der Performance und einer verbesserten Nutzererfahrung.
Zu den zentralen Fortschritten gehören:
- Weiterentwicklung der Importfunktionen zur schnellen Integration neuer digitaler Bauwerksmodelle
- Fertigstellung des Dokumentenmanagements
- Abschluss der Module für Bauwerksinformationen, Modelle und Monitoring
- Fertigstellung des Moduls “Bauwerksschäden” für Digitalisierungslevel 1 und 2
- Einführung eines umfassenden Rollen- und Rechtesystems
- Weiterentwicklung der projektweiten Ontologie als Grundlage einer einheitlichen Datenstruktur
- Ausbau von Schnittstellen zur Integration von Monitoringdaten unterschiedlicher Anbieter
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Überführung von Monitoringdaten aus dem Vorgängerprojekt smartBRIDGE in den Digitalen Zwilling der Haupthafenroute. Dadurch können bestehende Erkenntnisse und Datenbestände künftig projektübergreifend genutzt werden.
Parallel dazu wurde die Entwicklung sogenannter Condition Indicators vorangetrieben. Diese Zustandsindikatoren bilden eine wichtige Grundlage, um Bauwerkszustände künftig standardisiert zu bewerten und Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen systematisch zusammenzuführen.



Bauwerkszwillinge als Produktivsystem: Vom Konzept in die Anwendung
Im ersten Halbjahr wurden die digitalen Bauwerkszwillinge entscheidend weiterentwickelt.
Die fachlichen Konzepte und Benutzeroberflächen für verschiedene Module wurden finalisiert. Gleichzeitig startete die Entwicklung eines neuen Moduls zur Abbildung von Zustandsindikatoren und Bauwerksbewertungen.
Besonders bedeutend ist der Fortschritt bei den produktiven Anwendungen: Die Module Bauwerksmonitoring und Bauwerksschäden stehen inzwischen weitestgehend einsatzbereit zur Verfügung. Über eine automatische Schnittstelle werden relevante Informationen bereits zwischen der Softwarelösung und der eingesetzten Bauwerksprüfungssoftware ausgetauscht.
Darüber hinaus wurden die digitalen Bauwerksmodelle der Haupthafenroute fertiggestellt, geprüft und für die Nutzung in der Plattform vorbereitet. Damit stehen die technischen Grundlagen für die weitere Anwendung der Bauwerkszwillinge bereit.
Zur Vorbereitung der weiteren Entwicklung wurden außerdem umfangreiche Datensammlungen für die vier Bauwerkszwillinge zusammengestellt.
Digitaler Zwilling Kaimauer: Neues Themenfeld erschlossen
Mit dem Start des Teilprojekts Digitaler Zwilling Kaimauer wurde ein weiteres wichtiges Asset in den Fokus genommen.
Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Kaimauern der HPA wurden fachliche Prozesse analysiert und erste Anwendungsfälle identifiziert. Auf dieser Grundlage entstand ein gemeinsames Zielbild für die zukünftige Nutzung eines Digitalen Zwillings im Kaimauermanagement.
Zusätzlich wurden Anforderungen an Daten, Funktionen und Darstellungen definiert. Damit steht nun eine belastbare Grundlage für die weitere Entwicklung des Teilprojekts bereit.
Niedrigaufwand Digitaler Zwilling: Skalierbarkeit im Blick
Im neu hinzugekommenen Teilprojekt Niedrigaufwand Digitaler Zwilling wurde das Konzept für die vereinfachte und weitgehend automatisierte Erstellung Digitaler Zwillinge ausgearbeitet. Ziel ist es, digitale Bauwerksmodelle künftig auf Basis vorhandener Bestandsdaten mit deutlich geringerem Aufwand erzeugen zu können.
Hierfür wurden die fachlichen und technischen Anforderungen definiert und die Vorbereitung der Ausschreibung gestartet. Damit wurden wichtige Grundlagen geschaffen, um Digitale Zwillinge künftig auch für eine größere Anzahl bestehender Bauwerke wirtschaftlich nutzbar zu machen.
BIM Bestandserfassung: Digitale Grundlagen geschaffen
Eine belastbare Datengrundlage ist die Voraussetzung für jeden Digitalen Zwilling. Im ersten Halbjahr wurden deshalb mehrere Bauwerke entlang der Haupthafenroute detailliert erfasst und modelliert. Neben den eigentlichen Projektbauwerken wurden dabei die Niedernfelder Brücken und die Müggenburger Durchfahrt berücksichtigt. Diese werden primär für die Sammlung von Erfahrungen in der modellbasierten Bauwerksprüfung modelliert.
Die Niedernfelder Brücken und die Müggenburger Durchfahrt schließen an den Straßenabschnitt Veddeler Damm an, welcher als Objektzwilling Straße umgesetzt wurde. Die Bestandserfassung wurde mit Hilfe von Drohnenbefliegungen umgesetzt. Aus den gewonnenen Daten wurden hochauflösende Punktwolken und Orthofotos erstellt. Ergänzend wurden Bestands- und Revisionsunterlagen ausgewertet und in die Modellierung integriert. Auf dieser Basis entstanden umfangreiche Bauwerksinformationsmodelle.


Auch für den Peinekai wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Hier standen insbesondere die Anforderungen an ein digitales Modell für die Bauwerksprüfung sowie die spätere Nutzung im Digitalen Zwilling im Fokus. Die Modellierung erfolgte auf Grundlage vorhandener Vermessungsdaten und Bestandspläne. Darüber hinaus konnten Erkenntnisse aus der Bauwerksprüfung genutzt werden, um das digitale Bauwerksmodell weiter zu vervollständigen und zu validieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können auch für die Weiterentwicklung des Teilprojekts “Digitaler Zwilling Kaimauer” genutzt werden.

Mit diesen Arbeiten wurden weitere wichtige digitale Bestandsmodelle geschaffen, die künftig als Grundlage für Analyse-, Prüf- und Erhaltungsprozesse dienen.
Digitalisierung der Bauwerksprüfung: Erfahrungsgenerierung an Pilotbauwerken
Im vergangenen Halbjahr wurde die modellbasierte Bauwerksprüfung systematisch an verschiedenen Bauwerkstypen getestet und die Erfahrungen aus diesen Prüfungen dokumentiert.
Auf der Basis kann die modellbasierte Bauwerksprüfung in Zukunft weiterentwickelt werden.
Ein großer Schritt war der Einsatz der modellbasierten Bauwerksprüfung bei einer Kaimauer. Die Kaimauer wird ein weiterer Bauwerkstyp im Digitalen Zwilling Haupthafenroute.
Digitalisierung der Straße: Mehr Transparenz über den Straßenzustand
Auch im Teilprojekt “Digitalisierung der Straße” wurden zahlreiche Datenbestände aktualisiert und erweitert.
Die Ergebnisse der aktuellen Zustandserfassung und –bewertung (ZEB) wurden aufbereitet und um neue Schwellenwerte für Hauptverkehrs- und Nebenstraßen ergänzt. Darüber hinaus wurde ein Automatismus entwickelt, der die Berechnung der Restnutzungsdauer zu Jahreswechseln automatisch aktualisiert.
Ein wichtiger Meilenstein war die Integration von Zustandsbewertungen für Rad- und Gehwege. Diese Informationen stehen inzwischen im Geoportal der HPA zur Verfügung und werden auch künftig im Digitalen Zwilling sichtbar sein.
Begleitend wurden umfangreiche Qualitätssicherungen durchgeführt sowie Datenstrukturen und Attributtabellen weiter optimiert.
Vom Objektzwilling zum Systemzwilling: Erste lauffähige Version vorgestellt
Mit der ersten lauffähigen Version des Systemzwillings wurde im ersten Halbjahr ein wichtiger Projekterfolg erzielt. Erste Tests mit Anwenderinnen und Anwendern lieferten wertvolle Erkenntnisse für die weitere Entwicklung und die nutzerorientierte Ausgestaltung der Anwendung.
Im Berichtszeitraum wurden zudem erste Objektzwillinge sowie weitere Infrastruktur- und Straßendaten in den Systemzwilling eingebunden. Gleichzeitig wurde die Verbindung zwischen System- und Objektzwillingen geschaffen, sodass Nutzerinnen und Nutzer direkt zwischen den verschiedenen Ebenen wechseln können. Darüber hinaus wurden erste Grundlagen für eine zukünftige browserbasierte Nutzung erarbeitet.
Erlebniswelt: Projektfortschritte sichtbar machen
Im ersten Halbjahr 2026 wurde die Erlebniswelt als zentrale Informations- und Kommunikationsplattform rund um den Digitalen Zwilling der Haupthafenroute weiter ausgebaut. Dazu gehörte die Veröffentlichung neuer Projektinhalte, die Weiterentwicklung bestehender Themenbereiche sowie die Verbesserung der Barrierefreiheit.
Begleitend wurde die Öffentlichkeitsarbeit über verschiedene Kanäle fortgeführt und um neue Formate zur Vermittlung der Projektthemen ergänzt. So konnten die Fortschritte des Projekts kontinuierlich dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026
Im zweiten Halbjahr werden die Arbeiten in den einzelnen Teilprojekten fortgeführt. Schwerpunkte liegen dabei unter anderem auf der weiteren Integration von Datenquellen Und der Weiterentwicklung der Softwarelösungen.
Damit wurden weitere wichtige Grundlagen geschaffen, um die Infrastruktur der Hamburger Haupthafenroute schrittweise als Digitalen Zwilling abzubilden und die Möglichkeiten eines digitalen, datenbasierten Erhaltungsmanagements weiter auszubauen.
2027 steht primär im Zeichen des Pilotbetriebs. Die Softwarelösungen werden umfangreich getestet. Die gesammelten Erfahrungen werden in ein Praxisdokument überführt. Parallel erfolgt die Weiterentwicklung der Lösungen.
